ALL-IP nimmt weiter Fahrt aufHeute möchte ich noch mal alles Wissenswerte zum Thema ALL-IP zusammenfassen, ich versuche auch die eigentliche Veränderung zu beschreiben und zeige Wege auf, wie man ALL-IP begegnen kann. Wem das, kurz runtergescrollt, zu viel Text ist, dem biete ich im letzten Absatz eine Zusammenfassung mit Fazit.

Was bedeutet ALL-IP?

ALL-IP ist aus Sicht der klassischen Telefonie der Nachfolger unseres bekannten und sehr beliebten ISDNs. ISDN steht für „Integrated Services Digital Network“ und steht für uns für ein langjähriges, stabiles und zuverlässiges Kommunikationsnetz. Mit ISDN konnten seit Jahren Dienste, wie Telefonie, Daten, Teletext und Datex-P, in einem Netzwerk konsolidiert werden. Vorher musste jeder Dienst über ein eigenes Netzwerk realisiert und mit Gateways verbunden werden. Mit ISDN konnte man auf einer Leitung mehrere Dienste anbieten, ebenso konnte man auf einer Leistung zwei parallele Gespräche führen oder ein Gespräch führen und gleichzeitig ein Fax versenden. Das war Mitte der 1990er ganz großes Kino. Im Laufe der Zeit wurden einzelne Dienste bereits als IP-Dienste etabliert, so dass man nun diese IP-Dienste wieder mit Gateways auf das ISDN umsetzen musste. Das alles hat ein Ende, nachdem alle Dienste auf IP umgesetzt wurden. Aktuell wird nun noch die normale Telefonie umgestellt und das nennt der Markt dann ALL-IP.

Die tatsächliche Umstellung

Bisher wurde auf einem ISDN-Anschluss die Telefonie übertragen und das DSL-Signal (Internetanschluss) mit raufgepackt. Ein Splitter hat dann am Anschluss im Büro das DSL-Signal wieder getrennt und es in das Modem geleitet. So hatte man Telefonie und Internet auf dem Anschluss. Heute wird das Prinzip genau umgedreht: Es werden künftig reine IP-Internetanschlüsse geliefert, auf denen die Telefonie als Datenpakete ins Haus kommen. Die Technik dahinter sammelt die Datenpakete, wandelt sie in Sprache um und lässt sie als Töne aus dem Telefonhörer kommen. So kann man das mal ganz kurz umreißen. Seit einigen Monaten werden ISDN-Mehrgeräteanschlüsse auf ALL-IP umgestellt. Die Telekom besitzt die letzte Meile, als das Stück Kabel, das von der Straße in das jeweilige Bürogebäude führt. Die Telekom stellt ihr Netz nun um, also sind davon im Grunde alle ISDN-Anschlüsse betroffen. Spätestens im Jahre 2018 soll das ISDN-Netz abgeschaltet werden. Einige große Anbieter und einige große Unternehmen haben längere Fristen. Seit Mitte des Jahres 2016 gibt es bei der Telekom ein Produkt, mit dem sich auch Anschlüsse umstellen lassen, die zwei und mehr ISDN-Anschlüsse kombinieren, sogenannte Anlagenanschlüsse. Damit startete die Kündigung und Umstellung auch dieser Anschlüsse. Bisher wurden fast nur die Kunden umgestellt, die einen einzelnen ISDN-Anschluss mit zwei Leitungen hatten.

Ich will meine TK-Anlage behalten!

Kein Problem. Die Telekom und z.B. die Firma Bintec bieten sogenannte Media Gateways an. Diese greifen die Telefonie aus dem Internetdatenstrom ab, wandeln diese als ISDN-Signal um und geben das an die vorhandene TK-Anlage weiter. Wer so verfahren möchte, ist relativ schnell umgestellt.

Ich will die neuen Möglichkeiten nutzen!

Dazu ein paar Beispiele, über welche Möglichkeiten wir hier sprechen. Wenn die Kamera an der Türsprechstelle IP-fähig ist, kann man das Bild des Besuchers auf dem Telefon oder auf dem PC anzeigen lassen. Da die Telefonie komplett über IP läuft, braucht man in einem Büro jetzt wirklich nur noch eine LAN-Verkabelung. Ein einziger Port an einem Arbeitsplatz reicht aus, da die meisten Tischtelefone einen Port für das LAN-Kabel haben und dazu gleich einen weiteren Port, um den PC mit dem Netzwerk zu verbinden. Wenn ein Mitarbeiter viel im Homeoffice arbeitet, dann lässt man das Telefon im Büro und das Telefon zuhause parallel klingeln, und wenn der Mitarbeiter von zuhause einen Anruf tätigt, dann natürlich mit Firmenrufnummer. Das sind nur drei Szenarien, über die man sprechen sollte. Das alles klappte auch vorher schon, aber immer nur mit proprietären Lösungen einzelner Hersteller und alles musste zusammenpassen. Heute mischt man die Hersteller, weil alle die gleiche Sprache sprechen. Zur Umsetzung der neuen Möglichkeiten gibt es zwei wesentliche Ansätze.

Eine richtige TK-Anlage wäre mir schon lieb.

Wem eine TK-Anlage an der Wand oder verbaut in einem Serverschrank irgendwie lieber ist, dem werden sogenannte IP-TK-Anlagen angeboten. Korrekt gesprochen sind das TK-Anlagen, die gleichzeitig Modem und Router für den Internetanschluss dabei haben. Nehmen wir die be.IP plus des Herstellers bintec, die von der Telekom auch als Digitalisierungsbox Premium verkauft wird. Dieses Gerät verbindet sich mit dem Internet und stellt dieses als Router dem lokalen Netzwerk zur Verfügung. Gleichzeitig verbindet es sich mit der Telefonie des Anbieters, was als SIP (Session Initiation Protocol), bezeichnet wird. Das Gerät kann ab diesem Moment telefonieren. Die mit dem Netzwerk verbundenen IP-Telefone nutzen VoIP (Voice over IP), um mit der IP-TK-Anlage zu kommunizieren. Mit ein paar Handgriffen sorgt man nun dafür, dass ein eingehender Anruf auf einem bestimmten Endgerät signalisiert wird. Bei ausgehenden Anrufen wird eine Rufnummer zugeordnet, die dem Angerufenen angezeigt wird. An einer IP-TK-Anlage kann man meistens auch noch analoge Faxgeräte und ISDN-Telefone anschließen.

Die Software-TK-Anlage

Wenn nun Telefonie als Datenpaket ins Haus kommt, und wenn dieses Datenpaket an ein IP-Telefon im Netzwerk geroutet werden muss, dann braucht es keine Hardware mehr. Eine Software-TK-Anlage kann dieses Routing übernehmen. Auf der einen Seite verbindet sich die Software mit dem SIP-Provider und auf der anderen Seite mit den IP-Telefonen. Und dann sorgt die Software dafür, dass jedes Sprachpaket zum richtigen Empfänger geroutet wird. Besonders charmant wird es nun, wenn es im Hause einen virtualisierten Server gibt. Dann ist man in wenigen Minuten auf ALL-IP umgestellt. Denn hier wird eine virtuelle Maschine aufgesetzt, der Server ist bereits mit dem LAN verbunden, und nach einigen Konfigurationen funktioniert die Telefonie.

Fazit: Zu jedem passt was Anderes.

In den vorangegangenen Absätzen habe ich erläutert, wie die Telefonie künftig ins Haus kommt, welche technischen Veränderungen es gibt und wie man mit wenig Kosten eine schnelle Lösung oder mit etwas mehr Struktur im Projekt eine zukunftsweisende und supermoderne Lösung umsetzen kann. Zu jedem unserer Kunden passt ein anderes Szenario. Wir realisieren auch sogenannte sanfte Migrationen, bei denen die vorhandene TK-Anlage bestehen bleiben soll, neue Telefone jedoch schon als IP-Telefone geliefert werden sollen. Wenn die TK-Anlage ausfällt, stellen wir Telefonie komplett um und nutzen die bereits angeschafften Systeme weiter.

Das Thema ALL-IP kann man durchaus schon besprechen, bevor die Telekom den Anschluss kündigt. Um ehrlich zu sein, ist das für einen Projekterfolg der richtige Weg. Nichts ist schlimmer, als wenn der Termindruck die Möglichkeiten einschränkt und man eine schnelle aber nicht ganz perfekte Lösung realisieren muss.